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Zum zehnjährigen Jubiläum konnte das Bang Your Head-Festival das Ausverkauft-Schild an die Tür nageln. 20’000 Leute erlebten einmal mehr ein fantastisches und reichlich turbulentes Festival. Schon im Vorfeld haben die Veranstalter einige Überraschungen versprochen. Und Überraschungen gab es wahrlich genug. Die grösste Überraschung (und leider auch die am wenigsten erfreuliche) war der Very very Special Guest. Dieser hörte auf den Namen „Gewittersturm“ und fegte in der Nacht auf Samstag mit einer Urgewalt über Balingen, welche jede Extrem- Metalband vor Neid hätte erblassen lassen. Zeltstangen wurde wie morsche Streichhölzer geknickt. Und wer sein Zelt in der Ramschaktion vom Supermarkt gekauft hat oder die letzten Jahre zuwenig gepflegt hat bekam die Quittung in Form eines gratis Wasserbettes. Chaos pur. Doch nicht nur die Campingplätze wurden arg in Mitleidenschaft gezogen, auch auf dem Festivalgelände hat der Sturm eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Mehrere Merchandise -Stände wurden mehr oder weniger dem Erdboden gleichgemacht und wer ein Fürstenberg-Weizen wollte, konnte die Einzelteile des Standes in den umliegenden Wäldern zusammensuchen. Leider wurde auch die Bühne nicht verschont, was dazu führte, dass die Konzerte am Samstag erst mit fast vierstündiger Verspätung anfangen konnten. Die Bilanz: etwa 40 Verletzte (zum Glück niemand schwer) und die längste Wäscheleine Deutschlands entlang des Campingzauns.
Ein Riesenlob geht an dieser Stelle an die Veranstalter und die ganze BYH -Crew, welche in dieser Nacht schier übermenschliches leisteten und so den reibungslosen Ablauf des Festivals sicherten. Es ist auch hoch anzurechnen, dass trotz der Verspätung am Samstag alle Bands spielen konnten, auch wenn die Bands am Nachmittag ihr Programm massiv kürzen mussten. Auch die Einwohner von Balingen haben ein grosses Lob verdient, stellten doch viele von ihnen Zimmer und Lebensmittel für die sturmgeschädigten Fans zur Verfügung. Horst Odermatt wiederum lobte zu Recht die Fans für ihr Verständnis und die super Kooperation mit Polizei und Feuerwehr. Und als Horst schliesslich verkündete, dass das Bang-Your-Head im nächsten Jahr wieder stattfindet, erntete er mehr Beifall und Jubel als die meisten Bands. Leider gab es auch diesmal schon wieder Leute, welche an allem Möglichen was auszusetzen hatten („Warum durfte Band XY nur 3 Songs spielen, wenn der Special Guest so scheisse war?“, „Warum gab die Crew keine Sturmwarnung durch?“ „Warum habe ich Schädelbrummen obwohl ich nur 7 Liter Bier getrunken habe?“ etc. etc.). Dazu sei angemerkt, dass die Auftrittszeiten mit den Bands abgesprochen wurden. Und auch wenn viele Leute Hanoi Rocks nicht so toll fanden, wäre es doch der Band (und auch den Leuten, welche die Band gut fanden) gegenüber unfair gewesen, wenn man sie nicht hätte spielen lassen.
Was die Sturmwarnung anbelangt, so wurden selbst die Meteorologen von der Geschwindigkeit und Stärke des Sturms überrascht, so dass eine schnellere Warnung nicht möglich war. Ein besonderer Tapferkeitsorden geht jedoch an die Person, welche gerüchterweise in einem Toi Toi vor dem Sturm Schutz gesucht hat und mitsamt dem Toi Toi (türseitig!!!) umgeblasen wurde. Shit happens, kann man da nur sagen. Keine Ahnung, ob dieses Gerücht stimmt, aber sollte dem so sein, so müsste man dieser Person auf Lebzeiten einen Gratis- VIP- Pass für die nächsten Bang- Your- Head- Festivals ausstellen. Nebst der hervorragenden Organisation und der unglaublichen Hilfsbereitschaft ist es natürlich in erster Linie die Musik, welche das Festival ausmacht. Und da gab es zum Jubiläum wohl für fast jeden Geschmack etwas. Klar, nicht jedem gefällt jede Band, aber die entsprechenden Zielgruppen durften eigentlich von keiner Band enttäuscht worden sein (Ausnahmen bestätigen die Regel, nicht wahr, Silvio?)(Nun ja, darüber lässt sich vortrefflich streiten, Anm. DK). Also, here we go: (aw)
Donnerstag, 23.06.05
Das WOM neben dem Festivalgelände wurde ja bekanntlich letztes Jahr dem Erdboden gleichgemacht, so dass sich die Betreiber nach neuen Räumlichkeiten umsehen mussten. Diese fanden sie im etwas über 10 km von Balingen entfernten Hechingen. Scheinbar war dieser Weg für viele Leute zu weit, auch wenn Shuttle-Busse vom Gelände und wieder zurück verkehrten. War das WOM zumindest an den Warm Up-Shows vom Donnerstag in den letzten Jahren immer brechend voll gewesen, konnte man heuer bei jeder Band locker bis an die Bühne. Für die Fans war es so natürlich viel angenehmer, den Bands hätte ich jedoch ein volleres Haus gegönnt.
Dungeon
Als erstes durften die Australier von Dungeon auf die Bühne. Meines Wissens nach war dies ihr erster Auftritt in Europa. Irgendwer muss Dungeon erzählt haben, dass hier ein Thrash-Festival stattfindet, denn die Australier haben so ziemlich ihre härtesten Songs ausgepackt. Songs wie „The art of War“ vom aktuellen Album oder „Traumatised“ mit den eingestreuten fast schon Black Metal-mässigen Vocals gingen jedenfalls mächtig ab. Bei einer Nummer welche als der Pirat Song angekündigt wurde, baute man sogar einen kurzen „Reign in Blood“-Part ein und verteilte T-Shirts. Natürlich durfte auch die Hymne „Resurrection“ nicht fehlen. Ein starker, wenn auch etwas kurzer Auftritt und es bleibt zu hoffen, dass die Aussies bald wieder den Sprung nach Europa schaffen und endlich mal bei einer vernünftigen Tour aufspringen könnten. Noch geiler wäre natürlich ein Australien-Package mit Black Majesty und Vanishing Point, welche ebenfalls mit neuen Alben am Start sind. (aw)
Chris Caffery
Leider kannte ich das Soloalbum des Savatage-Gitarristen nicht, aber nach dem heutigen Konzert wird sich dies schnell ändern. Obschon der Mann wohl reichlich angepisst sein musste, wenn man die T-Shirts und den entsprechenden Song „Pisses me off“ als Massstab nimmt, hat man Chris diesbezüglich nicht das Geringste angemerkt, denn er und seine Band waren mit viel Spass und Spielfreude bei der Sache und konnten die Anwesenden mit ihrem modern angehauchten Powermetal problemlos mitreissen. Erwartungsgemäss kamen aber natürlich die Savatage-Songs „Sirens“ und „Power of the Night“, welches in einer äusserst powervollen Version gezockt wurde, am besten an. Vor allem bei „Sirens“ zeigte sich jedoch, dass Chris’ Gesangsleistung doch Meilen von einem John Oliva entfernt ist. Das tat aber der guten Stimmung keinen Abbruch und Meister Caffery zeigte sich äusserst zufrieden und überhaupt nicht angepisst. (aw)
Metal Church
Natürlich sah man schon am Merchandise-Stand, wer der Überraschungs-Act des heutigen Abends war. Nach einem Intro, welches mich ein wenig an den Terminator-Soundtrack erinnerte, ging es mit dem stampfenden „Start the Fire“ gleich in die Vollen und schon jetzt zeigte sich, dass die Band nach der letzten Tour noch viel mehr zusammengewachsen ist. Wie auch bei den letzten Shows konzentrierte sich das Material auf die ersten beiden sowie das aktuelle Album. Sänger Ronny Munroe hatte das Publikum von Anfang an im Griff und egal ob bei neuen Songs wie etwa dem schnellen „Leave them behind“ oder alten Klassikern wie „The Dark“, die Leute gingen voll mit und stachelten die Band zu Höchstleistungen an. Besinnlicher wurde es dann bei dem genialen „Watch the Children pray“, welches dem kürzlich verstorbenen Ursänger David Wayne gewidmet wurde. Die beiden Oberknaller vom ersten Album „Beyond the Black“ und die Bandhymne „Metal Church“ beendeten eine schweisstreibende Show. Aber so schnell liessen die Fans nicht locker und so gab’s als Zugabe noch eine Hammerversion von „Highway Star“. Nicht nur für mich waren Metal Church heute ganz klar der Headliner. (aw)
Nasty Savage
Danach konnten Nasty Savage nur noch verlieren. Das lag allerdings nicht an ihrer Musik, sondern eher am Sänger Nasty Ronny, welcher irgendwie ein wenig neben den Schuhen stand und sich nicht gerade von seiner beweglichsten Seite zeigte. Dass er auch anders kann, bewies er am nächsten Tag auf der Festival-Stage. Zumindest die Band zeigte sich jedoch von der besten Seite und als bei „You snooze, you lose“ endlich die Fernsehzerstör-Nummer anstand, erwachte auch Ronny, bewegte sich wie ein Sumoringer, legte sich auf den Boden, stemmte schliesslich den Fernseher in die Höhe und zerlegte das arme TV-Gerät schlussendlich in seine Einzelteile. Dass diese Aktion nicht ohne Kratzer verlief, verwunderte niemand und so hatte man fast schon eine kleine, blutige Horrorshow, welche mit „XXX“ schliesslich beendet wurde. (aw)
Freitag, 24.06.05
Morgana Lefay
Wie beginnt man ein Jubiläum? Natürlich mit einem Paukenschlag! Und wer kann dafür besser sorgen als die Bollnesianer Morgana Lefay. Live sind die Kerle unschlagbar und wer sie bisher noch nicht kannte oder noch nie live gesehen hat, der wird wohl vollkommen überrascht gewesen sein. Charles Rytkönen ist einer der besten Sänger und Frontmänner, den die Metalszene zu bieten hat, und genau das bewies er am Freitag Morgen. Immer in Bewegung, ständig am Grimassenschneiden und dazu wurde auch noch jede Note getroffen.
Die Songauswahl war zudem erste Sahne und bis auf „The Boon he gives“ habe ich auch keinen Kracher vermisst. Die neuen Tracks „Hollow“ (Wat für ein Burner!), „Angel’s Deceit“ und natürlich „I roam“ fügen sich perfekt in die Klassikerriege ein und laden zum exzessiven Bangen und Mitsingen ein, was selbst beim ersten Hören kein Problem dargestellt hat. Neben Charles fällt vor allem Gitarrist Peter Grehn auf, der ständig am grinsen und hüpfen war und nebenbei für verdammt geile Backing Vocals sorgte. Besser kann ein Festival nicht eröffnet werden.(dk) Setlist: Intro Source of Pain Master of the Masquerade Another Dawn Hollow Angel’s Deceit To Isengard I roam Maleficium
Exciter
Einen furiosen Start legten die Kanadier um Gitarrist John Ricci hin. Schreihals Jacques Bélanger erschien im coolen Matrix-Look, welcher ihm wohl bei der Hitze einige Schweisstropfen auf die Stirn trieb. Exciter boten eine gelungene Mischung aus alt und neu. Songs wie „The Dark Command“, „Aggressor“ oder das geile „Violator“, bei welchem Bélanger bewies, dass er einem Rob Halford in Nichts nachstand wurden genauso abgefeiert wie die Klassiker „Violence and Force“ oder „Long live the Loud“, bei welchem die Fans lauthals mitsangen. Mit „Immortal Fear“ kam auch ein brandneuer Song zum Zuge, welcher zeigte, dass Exciter keinen Millimeter von ihrer Linie abwichen. Ein indianisch klingender Drumrhythmus leitete den vorletzten Song ein. „This is not an Indian Song“ schrie Jacques Bélanger. “This is Pounding Metal”. Nochmals konnten die Leute durchdrehen, bevor der ultimative Bandklassiker „Heavy Metal Maniac“ eine energiegeladene Show beendete. Absolut unverständlich, dass diese Band nicht grössere Erfolge feiern kann, denn wer auf ehrlichen, bombastfreien Metal steht, kommt an Exciter nicht vorbei. (aw)
Kamelot
Als Ersatz für Virgin Steele wurden die Bombast Metaller Kamelot an Bord des Billings geholt. Ihre Scheiben sind alle Bundesliga- tauglich, während die Liveauftritte, denen ich bisher beiwohnen durfte, immer ausgesprochen dürftig waren. Als größter Schwachpunkt entpuppte sich immer das eigentliche Aushängeschild Roy Khan. Der Sänger konnte mich aufgrund seines Auftretens auf der Bühne und des schwachbrünstigen Gesangs bisher nie überzeugen. Als die amerikanisch- norwegische Formation dann um die Mittagszeit loslegte, war mein Erstaunen ziemlich groß, denn Khan traf fast jeden Ton und die Setlist war ein Traum. Einzig das Stageacting ließ mal wieder zu wünschen übrig. Irgendwie kommt die Truppe immer ein wenig arrogant und viel zu posermäßig rüber. Auch die mitgebrachte Trällerelse, von der man kaum einen Ton vernahm (Mikro nicht eingeschaltet?), verstärkte die Optik. Ihr urkomisches Roboterbanging sorgte zudem für einige Lacher.
Nichts desto trotz sorgten Songs wie „Forever“, „Karma“ oder der knackige Opener „Center of the Universe“ für die eine oder andere Gänsehaut. Leider dröhnte der Sound des öfteren, was den akustischen Leckerbissen aber nur minimal trüben konnte. Die neuen Songs fügten sich auch gut ins Gesamtgefüge ein, wobei ihnen das gewisse „Etwas“ fehlte, das die übrigen Kamelot- Kompositionen so außergewöhnlich machen. Sehr unterhaltsam! (dk) Setlist: Intro Center of the Universe The Spell Soul Society Edge of Paradise Forever Karma When the lights are down March of Mephisto
Krokus
Nach dem Abgang von Riffgott Fernando Von Arb durfte man gespannt sein, wie sich die Schweizer Hard Rock-Institution in kastrierter Besetzung schlagen würde. Eines vorweg: der Gig war eine einzige, unsägliche Leichenschändung, wie es der zerstörte Schreiberling noch nicht erlebt hat bisher. Von Arb- Ersatz Mandy Meyer (Ex-Gotthard) spielte zwar die Riffs und Soli, versprühte jedoch nicht den Hauch der Magie, die von Von Arb ausgeht. Absoluter Tiefpunkt der Show war das auf’s schändlichste verhunzte Killer-Solo (jedenfalls in der Von Arb-Version) von „Fire“. Jetzt ist mir auch klar, warum Meyer bei Gotthard gekickt wurde. Dass „Bedside Radio“ nicht gespielt wurde zeigt das Null-Selbstvertrauen der Band zudem brutal auf und lässt auf ein schnelles Ende hoffen. Trotzdem hat einem grossen Teil des Publikums die Show gefallen und hat zu Songs wie „Long Stick Goes Boom“, „Heatstrokes“, „Screaming In The Night“ oder „Mad World“ eine gute Party gefeiert. Wer die Jungs mit Von Arb jedoch über Jahre verfolgt hat und die von ihm mit Herzblut dargebotenen Soli und Riffs x-mal live geniessen durfte, musste nun leider feststellen, dass mit dem Abgang von Fernando Von Arb auch die Seele von Krokus verloren gegangen ist. Der Patient liegt auf der Intensivstation, und es ist nun höchste Zeit, die lebenserhaltenden Maschinen ein für alle Mal auszuschalten. Oder als Cover-Band unter anderem Namen durch die Lande zu tingeln…(sd) Destruction
Ich fand Destruction bisher zwar immer gut, aber nicht überragend. Vor allem live fehlte mir immer ein wenig die Abwechslung, da die Band praktisch permanent Vollgas gab. Doch heute war alles anders. Zwar änderte sich am Tempo der Songs auch heute nicht viel, aber irgendwie sprang der Funke bei mir besser über als in der Vergangenheit. Auf jeden Fall konnte schon der Opener „Curse the Gods“ vollends begeistern und auch neuere Songs wie „Nailed to the Cross“, welches mit Flammensäulen unterlegt wurde oder „Metal Discharge“ vermochten gnadenlos mitzureissen. Mit „Soul Collector“ wurde ein Song des kommenden Albums vorgestellt und enttäuschte keinen Destruction-Fan. Aber nicht nur musikalisch konnten Destruction überzeugen, auch die Showelemente dürften heute vor allem die Männerherzen in Aufruhr gebracht haben als bei „Total Destruction“ plötzlich der Mad Butcher in Person auf der Bühne stand, umringt von zahlreichen holden, halbnackten Schönheiten. Eine Showeinlage, welche sich bis zu „The Butcher strikes back“ weiterzog, bevor der glatzköpfige Wüstling mit einer Frau über der Schulter hinter der Bühne verschwand (um sich mit dem Mädel zu vergnügen, oder vielleicht doch eher um sie zu schlachten??).
Weiter ging’s mit „Thrash Til Death“ welches schon jetzt ein Klassiker ist sowie einem meiner Faves „Bestial Invasion“. Zum Schluss folgte dann eine der größten Überraschungen. Destruction stellten einen weiteren neuen Song vor, welchen Schmier mit den Worten „We are all a fucking Family“ einleitete. Thematisch dreht sich dieser Song darum, dass alle Metalfans, egal ob Black, Death, Power, True oder was auch immer eine grosse Familie sind. Um diesen Song entsprechend umzusetzen werden auf der CD 10 Gastsänger zu finden sein, welche die entsprechende Stilrichtung verkörpern. Illustre Namen wie Biff (Saxon), Speed (Soilwork), Messiah (Candlemass) oder Shagrath (Dimmu Borgir), um nur einige zu nennen, werden bei dem Song ein Stelldichein geben. Heuer auf der Bühne kommt das ganze in abgespeckter Form daher, was aber nicht weniger überzeugend wirkte. So standen in Balingen nebst Destruction auch noch Doro, Charles Rytkönen (Morgana Lefay) und Oberwikinger Johan Hegg (Amon Amarth) auf der Bühne um ihre gesanglichen Visitenkarten abzuliefern und eine geile Metalparty zu feiern. Dieser Song wird sich nahtlos in die Klassiker von Schmier und Co. einreihen und beendete eine der besten Destruction-Shows, welche ich bisher erlebt habe (und das waren einige).(aw)
Amon Amarth
Diesmal kamen die Wikinger von Amon Amarth nicht mit ihrem Drachenboot über den Rhein- Herne- Kanal geschippert, sondern mit modernen Fortbewegungsmitteln. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum der Auftritt nicht ganz so überzeugend wirkte wie auf dem Rock Hard Festival. Die Nordmannen um Frontplauze Johann Hegg wirkten ein wenig gelangweilt und hatten ferner einen Sound, der für Ohrenschmerzen sorgte. Außerdem war größtenteils nur eine Gitarre zu hören, wodurch die herausragenden Melodien nicht für große Gefühle sorgen konnten. Trotzdem sorgten phänomenale Standards wie „The Victorious March“, der neue Brecher „Fate of Norns“ oder „Blodshed“ für das eine oder andere Grinsen und Bangen in der Menge.(dk)
Doro
Über Doro braucht man keine grossen Worte zu verlieren. Im knackigen weiss-schwarzen Lederkostüm liess Doro manches Männerherz höher schlagen. Auch wenn sich viele Leute ein wenig darüber ärgern, dass Frau Pesch auf jedem Festival auftritt, muss man eingestehen, dass die blonde Düsseldorferin immer eine gute Rockparty bietet und auch hier in Balingen war der Platz vor der Bühne mehr als gut gefüllt. Auch Doro kann auf eine ganze Reihe Klassiker zurückblicken und Songs wie „Live to win“, „True as Steel“ oder die schöne Ballade „Für immer“ wurden von den Fans lautstark mitgesungen. Bei „Hellraiser“ wurde Doro dann plötzlich in luftige Höhen befördert, als sich ein Teil des Stegs in die Höhe erhob. Coole Einlage, die auf diesem Festival noch einige Male eingesetzt wurde. Das Priest-Cover „Breaking the Law“ wurde zwar auf CD sehr zwiespältig aufgenommen, konnte aber live durchaus überzeugen. Kein Doro-Gig ohne „All we are“, bei welchem Savatage-Gitarrist Chris Caffery noch einen Gastauftritt bot. Nach „Burn it up“ war dann Schicht im Schacht und Doro konnte erneut auf einen gelungenen Festivalauftritt zurückblicken. (aw)
U.D.O. Nach dem guten, aber nicht umwerfenden Gig von Kreissäge Udo Dirkschneider in Gelsenkirchen anlässlich der Accept-Reunion durfte man gespannt sein, wie sich Mr. Camouflage gut einen Monat später mit seiner „neuen“ Band U.D.O. schlagen würde. Die Jungs aus Solingen spielten nicht zum ersten Mal auf dem Bang Your Head auf und wussten somit, dass sich im Schwabenländle vorwiegend Liebhaber von Old School-Geschrote vor der Bühne tummeln. Mit dem Titeltrack der letzten Scheibe „Thunderball“ wurde ein elf Song starker Auftritt eröffnet, direkt gefolgt vom fetten Mosher „The Bullet And The Bomb“. Tja, und die Klassiker liessen nicht lange auf sich warten, denn mit „Metal Heart“ machte die Band dem abfeiernden Mob zum ersten Mal so richtig Feuer unter dem Arsch. Darauf folgte der Sprung von 1985 ins 2005, indem „24/7“, der Titeltrack der soeben veröffentlichten neuen EP, dargeboten wurde. Ein Song, dessen Riff in den tiefsten Achtzigern verwurzelt ist und auf Anhieb für steife Nackenhaare sorgte. Zudem wirkte Udo deutlich entspannter als am Rock Hard -Festival und die ganze Show kam irgendwie viel echter und energiegeladener rüber als fünf Wochen zuvor mit Accept. (dem stimme ich hundertprozentig zu. Udo hat diesmal sogar Ansagen gemacht, Anm. DK) Neben „Man And Machine“ vom gleichnamigen Album rotzten die Jungs noch jene Pflichtsongs runter, ohne welche eine U.D.O.-Show nicht komplett wäre. „Animal House“, „Balls To The Wall“, „I’m A Rebel“ und „Princess Of The Dawn“ sorgten noch mal für richtig Alarm auf dem Messegelände und machen verdammt hungrig auf die Clubtour zum neuen Album „Mission No. X“, welches im Herbst zur Veröffentlichung vorgesehen ist. (sd)
Gamma Ray
Für Gamma Ray war der diesjährige Bang your Head- Auftritt ein einziges Fiasko. Erst wurden sie zehn Minuten zu früh angekündigt (danach geschah nix, außer Unruhe im Publikum), dann ging bei „New World Order“ Henjos Endstufe kaputt, wodurch wieder Unruhe durch 10 Minuten Leerlauf im Publikum entstand, und schließlich wusste Kai Hansen nicht mehr, was er erzählen sollte. Die Luft war also von Beginn an raus, nicht nur beim Publikum, sondern auch bei der Band. Selbst Klassiker wie „Rebellion in Dreamland“ und „Land of the Free“ konnten dann nicht mehr viel reißen. Einzig der phänomenale neue Song „Blood Religion“ vom im September erscheinenden Werk „Majestic“ ließ dann noch mal aufhorchen.
Warum man dann mit den beiden ultralangen „Armageddon“ und „Heavy Metal Universe“ (inkl. dem obligatorischen Mitsingpart) dann weitermachen musste, war nicht nur mir ein Rätsel und der letzte Funken Stimmung wurde gekillt. Die Songs sind zweifelsohne gut, aber 3 Zehnminüter in einer durch die technischen Probleme eh schon verkürzten Spielzeit sind zuviel. Außerdem wirkte die gesamte Band seltsam gehemmt und Metalgott Hansen wagte sich gerade mal zwei Mal für knapp 30 Sekunden auf den sonst enorm frequentierten Laufsteg, was nicht gerade publikumsnah ist. Beim abschließenden „I want out“ musste dann schnellstens ein Bierstand zum Frust runterspülen gesucht werden, denn hier sang der Meister so was von schief, dass es vorne kaum noch auszuhalten war. Das war das berühmte Wort mit X, nämlich nix! Letztes Jahr in Gelsenkirchen wurde das Amphitheater von Gamma Ray im Sturm genommen, dieses Jahr sind die Hamburger Jung’ fast in den Sturm gekommen. Zumindest passten die Wetterverhältnisse, die ein paar Stunden später herrschten, zum diesjährigen Balingen- Auftritt von Gamma Ray. Ich liebe diese Band, aber heuer war es wirklich zum davonlaufen.(dk)
Setlist: New World Order Rebellion in Dreamland / Land of the Free Blood Religion Armageddon Heavy Metal Universe I want out
Saxon
Saxon hat jeder wahrscheinlich schon mal livehaftig gesehen. Es gibt in Deutschland nämlich kaum ein Festival, wo die Engländer nicht schon zum Inventar gehören. Dennoch kam auch beim Jubiläums- Bang your Head keine Langeweile auf. Zum einen liegt das am neuen Werk der Sachsen, das mit Abstand beste Werk, welches die Mannen um Biff Byford in den letzten 10 Jahren rausgebracht haben, und zum anderen können die ganzen Klassiker gar nicht langweilig werden. Eröffnet wurde wie schon auf der Tour im letzten Jahr mit dem Intro „The Return“ und dem phänomenalen „Lionheart“, das das Publikum sofort in den Bann zog. Abgesehen vom zweiten neuen Song „Man and Machine“, der gegen Ende runtergezockt wurde, kamen ausschließlich die großen Klassiker zum Zuge. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, trommelte bei „Dogs of War“ sogar Mikkey Dee von Motörhead spaßeshalber mit. Ansonsten bildete natürlich das Drumming von Jörg Michael ein fettes Fundament, auf dem die restlichen Bandmitglieder aufbauen konnten. Ganz ehrlich, seit Jörg dabei ist, haben die Songs live und auf Scheibe einen völlig neuen, dynamischen Drive, der die ganzen alten Nummern völlig neu erklingen lässt. Bei der letzten Zugabe „Denim and Leather“ gab es dann eine Neuerung beim Bang your Head, nämlich die hochfahrbare Brücke (zum zweiten Mal nach Doro wurde sie in Bewegung gesetzt). Biff sang wieder göttlich, war sehr agil und gesprächig und stellte das Publikum ein ums andere Mal vor die Wahl, ob sie nun einen schnellen oder langsamen, langen oder kurzen etc. Song hören wollten. So und nicht anders hat ein toller Festivalgig auszusehen. Deshalb wurden Saxon auch ordentlich von der Meute abgefeiert. Motörhead wurden jedenfalls locker in die Tasche gesteckt.(dk)
Setlist: The Return Lionheart Heavy Metal Thunder 747 (Strangers in the Night) Dogs of War (feat. Mikkey Dee) Backs to the Wall Strong Arm of the Law Solid Ball of Rock Motorcycle Man Man and Machine Crusader Princess of the Night Wheels of Steel (ultralang) ------------- Never Surrender 20.000 Feet Denim and Leather
Motörhead
Vermutlich wird einer von der Soundcrew an diesem Abend seinen Job verloren haben, denn Lemmy musste sich pausenlos über seinen Monitorsound ärgern. Das färbte sich schwer auf seine Stimmung ab und logischerweise litt auch die Kommunikation mit dem Publikum darunter. Ansonsten gab’s von Motörhead die gewohnte Kost. Überraschungen suchte man fast vergebens, ausser das mit „Killers“ und „In the Name of Tragedy“ zwei brandneue Songs vorgestellt wurden, die im typischen Motörheadgewand daherkamen. Daneben bot die Setlist das, was man von Motörhead erwartete und kannte. „No Class“, „Ramones“ oder „Sacrifice“, bei welchem Mikkey Dee einmal mehr bewies, dass er einer der kraftvollsten Drummer der Metalszene ist, sind immer wieder für eine bierselige Metalparty gut. Allerdings hätte ich echt nichts dagegen, wenn Motörhead ihre Setlist mal ein wenig mehr umändern würde, denn ein Song wie zum Beispiel „Metropolis“, welches seit 127 Jahren gespielt wird, ist zwar nicht wirklich schlecht, aber in meinen Augen auch kein zeitloser Klassiker. Viel lieber könnten Lemmy und Co. mal ein „Rock’n’Roll“ oder „I’m the Doctor“ einbauen. Oder auch sonst etwas anderes. Songs haben sie ja weiss Gott genug. Die üblichen „Ace of Spades“ und „Overkill“ beendeten einen etwas durchwachsenen Motörhead-Gig. Nicht wirklich schlecht, aber für das 10-jährige Bang-your-Head-Jubiläum sowie das 30-jährige Motörhead-Jubiläum hätte ich mir doch ein wenig mehr Überraschungen und vor allem einen besser aufgelegten Lemmy gewünscht.(aw)
Setlist: Dr. Rock Stay clean Shoot you in the Back Love me like a Reptile Killers Metropolis Over the Top No Class I got mine In the Name of Tragedy Dancing on your Grave Ramones Sacrifice (mit Drum Solo) Just cos you got the Power Going to Brazil Killed by Death Ace of Spades Overkill
Samstag, 25.06.05
Demon
Nach dieser Nacht der Nächte (oder war es gar „The Night of the Demon”?) durften Demon mit fast vierstündiger Verspätung auf die Bühne. Auch wenn die sympathischen Engländer lediglich Zeit für drei Songs hatten, tat das ihrer Spielfreude keinen Abbruch. Und wenigstens konnten sie die drei Songs einem weitaus grösserem Publikum vorstellen, als wenn sie morgens um 09.30 Uhr auf die Bühne gemusst hätten, wo viele Fans normalerweise noch im Koma liegen. So zockten Dave Hill und seine Mannschaft die beiden Bandklassiker „Night of the Demon“ und „Don’t break the Circle“ (welches vielen sicherlich von der Blind Guardian-Coverversion her noch bekannt ist) sowie „Standing on the Edge“ vom aktuellen Album. Bleibt zu hoffen, dass Demon bald wieder in unseren Breitengraden aufkreuzen, denn die Engländer haben noch haufenweise geniale Songs in der Hinterhand.(aw)
Vicious Rumors
Einen gnadenlosen Schlag in die Fresse lieferten Vicious Rumors ab. Sie durften zwar nur vier Songs spielen, die wurden aber dermaßen runtergeballert, dass dem unwettergeschädigten Publikum erneut ein Orkan in die Fresse blies. Sänger Brian Connor rannte wie ein Begaster die Bühne rauf und runter und poste mit seinem verdammt geilen Mikroständer immer wieder wie ein Profi. Auch Gitarrero Ira Black entpuppte sich mal wieder als Blickfang, vor allem sein metallisiertes Katzenrückrat im Bart glänzte. Songs wie „Abandoned“ oder „Six Stepsisters“ sind aber auch richtige Knaller. Zum Aufwecken besser als Kaffee....(dk)
Nasty Savage
Einen besonderen Leckerbissen der optischen Art hatten die Jungs von Nasty Savage zu bieten. Neben den kraftvollen Thrash-Songs war es vor allem Sänger und Front-Mammut Nasty Ronnie, der die Blicke auf sich zog. Mit seinem beachtlichen Körperumfang, dem offenen Hemd, den Shorts, seinem Witwe Bolte-Kopftuch und den nackten Füssen (kurz: Strandoutfit) war einmal ein etwas anderes Fronttier als gewöhnlich auf einer Metal-Bühne zu „bewundern“. Bei seinem wilden Rumgerenne und Gehopse dürfte die Richterskala in Balingen fett oben aus geschlagen haben und für Alarm unter den Geologen gesorgt haben. Um seiner Präsenz noch den Höhepunkt aufzusetzen, kam Ronnie in Badelatschen zurück auf die Bühne für den weiteren Verlauf der Show, die auch wirklich unter hochsommerlichen Temperaturen stattfand. Für mich persönlich ein absolutes Novum, obwohl ich schon unzählige Konzerte besucht habe - Adiletten habe ich noch bei keinem anderem Musiker je gesehen… Da auch Nasty Savage Opfer der verkürzten Spielzeiten wurden, standen ihnen nur vier Songs zu Verfügung, wobei „XXX“ und „Psycho, Psycho“ mit ihrer Mischung aus harschem Metal und thrashigen Anleihen am meisten überzeugten und für gute Reaktionen im Publikum sorgten. Unterhaltsamer Auftritt der etwas anderen Art.(sd)
Jag Panzer Eins vorneweg: The Tyrant und seine Knechte spielten genau drei Songs, denn auch die US-Legende musste ihren Gig erheblich kürzen, da „Johnny Tornado“ in der Nacht zuvor erheblich überzogen hatte und zudem mit seiner Blitz- und Donnershow die Bühne beinahe in ihre Einzelteile zerlegt hätte. Unter den drei Titeln befanden sich mit „Black“ und „Power Of The Iron“ zwei stählerne Geschosse, die zum Posen und Moshen animierten und für feuchte US Metal -Träume unter der versammelten Gemeinde sorgten. Kaum war die Halsmuskulatur jedoch auf Betriebstemperatur gebracht, war die Chose auch schon wieder vorbei. Schade, schade - aber geil war’s trotzdem. Bleibt noch anzufügen, dass endlich wieder mal eine zünftige Clubtour fällig wäre, denn so könnten sich Jag Panzer während 90 Minuten in adäquatem Rahmen präsentieren.(sd)
Tankard
Die Diät-Wette, welche Tankard-Fronttrinker Gerre eingegangen ist, könnte tatsächlich zu seinen Gunsten ausfallen, denn der Frontmann war doch deutlich schlanker als das letzte Mal, wo Tankard in ihren legendären Schlafanzügen in Balingen auf der Bühne standen. Das wirkte sich natürlich auch auf seine körperliche Fitness aus, denn der Sänger sprang, hüpfte und tanzte wie wahnsinnig über die Bühne und war ständig in Bewegung. Auch Tankard liessen sich trotz der deutlich gekürzten Spielzeit den Spass nicht verderben. “Ich darf heute nicht zuviel labern, schliesslich dürfen wir nur drei Stunden spielen“ meinte Gerre. Eröffnet wurden diese „3 Stunden“ von „Rectifier“, gefolgt von „Chemical Invasion“ und „Die with a Beer in your Hand“. Das anschliessende „Freibier“ wurde vom Publikum genauso mitgesungen und abgefeiert wie die abschliessende Bandhymne „Empty Tankard“. (aw)
Nevermore
Auch die Jungs aus Seattle hatten nur etwa 15 Minuten Spielzeit zur Verfügung, was aber trotzdem für einen fetten Soundorkan reichte. Los ging’s mit „Enemies Of Reality“, dem Titeltrack des letzten Albums, direkt gefolgt von drei Tracks des mit Abstand stärksten Nevermore Silberlings „Dead Heart In A Dead World“. „The River Dragon“ killte ohne Ende und sorgte für verschärfte Mosh-Attacken auf dem gut gefüllten Platz vor der Bühne. Die Halbballade „The Heart Collector“ sorgte mit seinen wogenden Riffs für Gänsehaut-Attacken der krasseren Sorte, während die harschen Thrashriffs von „The Sound Of Silence“ (Simon and Garfunkel) die Nackenwirbel des Evilized-Abgesandten definitiv zu einem Häufchen Staub zerrieben. Hammer! Schade, dass das Inferno nicht länger dauerte…(sd)
Axel Rudi Pell
Genau vor dem Axel Rudi Pell Gig gab es noch einmal ein schön fettes Gewitter, welches Erinnerungen an die vergangene Nacht hervorrief. Doch die bekannteste Blondine aus Wattenscheid hatte den Wettergott auf ihrer Seite. Denn pünktlich zum Beginn hörte Gottes Heul- und Wutanfall auf. Was danach folgte war absolutes Standardprogramm. Keine Überraschung, nix Neues und wenn man in der kurzen Spielzeit auch noch etliche Solo- und Mitsingparts einbaut, ist die Stimmung im Arsch. Johnny Gioeli poste wie immer wie ein Verrückter, sang göttlich, aber meiner Meinung nach kommt auf so einer großen Bühne nicht viel rüber. In den Clubshows hingegen wirkt das Ganze energiegeladener und spanender, selbst wenn man die Band schon so oft gesehen hat.
Highlights waren wie immer „Fool, Fool“, das neue „Strong as a rock“ und natürlich „Casbah“, bei dem dann auch fleißig im Publikum mitgesungen wurde. Absoluter Tiefpunkt war dann der schlechteste Steeler Song überhaupt, nämlich „Call her princess“. Der Gesang beschränkt sich hier auf drei Zeilen und eine Minute, während die Solonummern dann über 5 Minuten dauern. Und echt, es kamen wieder die gleichen Passagen, Bewegungen und Grimassen wie in den vergangenen 6 (!!!) Jahren. Zumindest auf dem Festival kann man doch wirklich mal was neues bringen. Über Axels tolles Spiel braucht man nicht mehr viel verlieren und auch über die instrumentellen Fähigkeiten der restlichen Bande braucht man auch keine Worte mehr verlieren. Ein dickes Dankeschön gibt es dafür, dass Mike Terrana kein Solo spielen durfte!!! Ich glaub, ich habe schon 20 Soli von ihm in den vergangenen 8 Jahren sehen dürfen und es gibt, trotz der Klasse, nix ätzenderes mehr. Zwiespältig! (dk)
Setlist: Tear down the walls Strong as a rock Masquerade Ball / Cashbah Fool, Fool Call her princess Abba Outro Sebastian Bach
Im letzten Jahr gab es wohl kaum jemanden, der von der energiegeladenen Show von Sebastian Bach nicht begeistert war. Es war damals auch eine wirkliche Überraschung, einen der größten Poser der 90er Rockszene in einer solchen Verfassung zu sehen. Auf dem BYH 2005 nervte Seppel aber ohne Ende. Zum einen rotzte er fast genau das selbe Set wie letztes Jahr mit neuer Mannschaft (u.a. „Metal“ Mike Chlasziak (Ex- Halford) an der Gitarre und Bobby Jarzombek (Ex-Riot) an den Drums) runter. Wahrscheinlich wollte er einen auf Metal machen und nach dem Motto „Höher, Schneller, Dreckiger“ zocken, was aber gnadenlos in die enge Lederhose ging. Aus tollen Rocksongs sollte man nicht auf Teufel komm raus ätzende Metalnummern machen (Bestes Beispiel war der Opener „Slave to the Grind"). Zum anderen lag der Ami das eine oder andere Mal mit seinem nervigen Gekreische völlig daneben. Dem Publikum schien es egal zu sein, denn das feierte Seppel ab ohne Pause. Für mich war es noch eine Stufe schlechter als auf der öden DVD. (dk)
Candlemass
Dem Metalgott sei gedankt, dass die schwedischen Doomgötter doch noch die Kurve gekriegt haben, denn was Messiah Marcolin und Co. hier darboten, war mal wieder nicht von dieser Welt. Mit dem Opener „Black Dwarf“ vom aktuellen Album startete man gleich verhältnismässig schnell. Messiah präsentierte sich stimmlich in Bestform und zelebrierte immer wieder seinen stampfenden „Candle-Dance“. Nebst weiteren neuen Songs wie „Assassins of the Light“ und „Copernicus“ kamen natürlich auch zahlreiche Klassiker zum Zuge und Songs wie „Mirror Mirror“ oder vor allem „Solitude“ schafften es auch bei strahlendem Sonnenschein, ein düsteres und melancholisches Feeling zu verbreiten. Daneben glänzte Messiah immer wieder mit kultigen Ansagen. „Klatsch in die Hände Balingen“ liess Tausende Hände in die Höhe schnellen. „Bearer of Pain“ und das geniale „At the Gallows Pole“ beendeten eine der intensivsten Shows dieses Wochenendes. Candlemass haben definitiv Headliner -Status und falls sich die Doomer nicht wieder vorher auflösen, werden sie in naher Zukunft hoffentlich endlich den Erfolg ernten, welcher ihnen schon seit Jahren zusteht. (aw)
Hanoi Rocks
Unzählige Gerüchte kursierten über den geheimnisvollen Special Guest und als plötzlich ein Saxophon auf der Bühne stand, wurde den Kennern schnell klar, wer nun die Bühne gleich entern würde. Und tatsächlich, wenige Minuten später rannte ein wie immer völlig von der Leine gelassener Michael Monroe über den Bühnensteg. Allerdings kristallisierte sich schnell heraus, dass Hanoi Rocks wohl nicht gerade die Band sind, welche sich die Besucher als Very Special Guest gewünscht haben und so lockerte sich die Zuschauermasse vor der Bühne doch merklich auf. Einige Leute liessen auch ziemlich böse Bemerkungen fallen, während viele jüngere Fans mit grossen Fragezeichen auf der Stirn da standen und keine Ahnung hatten, wer denn nun da über die Bühne tobte. Diejenigen, die vor der Bühne blieben, wurden jedoch mit einer energiegeladenen Show der verrückten Finnen belohnt. Vor allem Monroe tobte wieder wie ein Derwisch über die Bühne und verbrachte die meiste Zeit auf dem vorgelagerten Steg. Aber auch Gitarrist Andy McCoy zeigte sich äusserst spielfreudig. Und Songs wie „Delirious“ oder „Up around the Bend“ sind nun mal wahre Partygranaten. Auch wenn Hanoi Rocks vielleicht nicht so ganz auf das Festival passten, so wurden doch diejenigen, welche mit der Band gar nichts anfangen konnten, hoffentlich mit dem zweiten Special Guest zufrieden gestellt. Auf jeden Fall zeugt es nicht gerade von viel Toleranz, wenn man diese Band ausbuht, denn viele andere Fans konnten vielleicht mit Amon Amarth oder Destruction auch nicht viel anfangen. Gerade diese Vielseitigkeit macht doch auch den Reiz des Festivals aus.
Zudem sei angemerkt, dass die Band auch nichts dafür konnte, wenn die Erwartungen einiger Leute völlig unrealistische Dimensionen annahmen. Ausserdem gab es Gerüchte, dass ursprünglich ein weitaus hochkarätigerer Special Guest vorgesehen war, welcher aber kurzfristig abgesagt hat. Sollte dem so sein, kann man es den Veranstaltern nicht hoch genug anrechnen, dass sie es doch noch geschafft haben, gleich zwei zusätzliche Bands aufzutreiben, welche so kurzfristig einspringen konnten und noch nie vorher auf dem Festival spielten. Wie auch immer, es wird diesbezüglich auf der offiziellen Festivalhomepage wie auch im „Heavy“ bestimmt eine Stellungnahme von Horst folgen. (aw)
White Lion
Nachdem Hanoi Rocks für eine ordentliche Verstimmung im Publikum gesorgt hatten, war die Vorfreude auf Dio noch größer. Denn das kleinen Männeken (er war von hinten kaum zu sehen) mit der unbeschreiblichen Stimme sorgt immer für gute Stimmung. Also schnell noch das Bier aus dem Körper holen und ab nach vorne. Als ich dann so fröhlich am strullen war, kam dann eine Ansage von wegen „From Australia, USA, Denmark and Germany...“. Große Verwunderung, denn bei Dio kommt doch keiner aus Australien, geschweige denn aus Deutschland. „...here are Mike Tramp’s White Lion“ ging die Ansage weiter. Schnell fertiggepullert und noch schneller nach vorne gerannt. Komisch war es dennoch die Band nun doch auf der BYH Bühne zu sehen. Letztes Jahr sind sie ja achtkantig vom Billing geflogen, weil die BYH Crew für nur zwei Originalmitglieder und somit einer Rumpf- White Lion Truppe keine so horrende Summe zahlen wollte. Es spricht für Mike Tramp, dass er, als er zwei Tage vor dem Festival von Horst Odermatt angerufen wurde, sofort den Angelausflug in der australischen Wildnis mit seinem Sohn abgebrochen hat, alle Mitglieder, die wie gesagt aus allen Teilen der Welt kamen (aus Deutschland war Jaded Heart Keyboarder Henning Wanner dabei), zusammentrommelte und schnell gen Germany flog.
Was dann folgte war ein legendärer Auftritt, bei dem es absolut egal war, ob Vito Bratta und Co. dabei sind oder nicht. Aushängeschild ist, war und bleibt Mike Tramp, der das Publikum sofort um den kleinen Finger wickelte (was ihm in der Vergangenheit dank bescheuerter Aussagen und schlechter Laune auf der Bühne nicht immer gelang). Außerdem war es sehr interessant als Mike Tramp Fan, den Meister einmal ohne Gitarre auf einer riesengroßen Bühne zu sehen. Diese nutze der Sänger (der übrigens Hosenträger unter seiner Lederweste trug!) auch in voller Breite und sang dabei einfach großartig. Und ganz ehrlich, bei „Broken Heart“ hatte ich dann Tränen in den Augen, weil dieser Song an diesem denkwürdigen Abend tausend Mal gefühlvoller rüberkam als bei seinen Solotourneen. Die restlichen Songs waren ein Best Of- Programm, das jeden überzeugt haben dürfte. Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung, dass die Mike Tramp- Songs jeden White Lion- Track (außer eben „Broken Heart“) ganz tief in die Tasche stecken. An diesem Abend war es aber egal, aber hier und heute war die gefühlvolle Erinnerung an die 80er einfach unübertrefflich. Nur „When the children cry“ hat gefehlt, ansonsten die grösste und schönste Überraschung des Festivals.(dk) Setlist: Lights and Thunder Hungry Lonely Nights Broken Heart Fight to survive Little Fighter Living on the Edge Never let me go Wait Radar Love
Dio
Der Platz vor der Bühne war prall gefüllt und eine erwartungsvolle Atmosphäre schwebte über dem Gelände, denn mit Dio schickte sich einer der Metalsänger schlechthin an, Balingen einmal mehr zu rocken und den Jungspunden zu zeigen, wo der Gesangs- Bartl den Most holt. „Killing The Dragon“ eröffnete einen von Klassikern gespickten Set, gefolgt von „Egypt (The Chains Are On)“ und dem furiosen „Stand Up And Shout“. Die tolle Stimmung wurde jedoch sogleich durch ein langweiliges und völlig uninspiriertes Drum -Solo gekillt, welches zudem noch viel zu lange dauerte. Um dem Publikum rasch wieder auf die Sprünge zu helfen, spielten die Jungs unverzüglich den „Holy Diver“ - Alltime Classic, begleitet von einem mehrere tausend Kehlen umfassenden Backing Chor. Wirklich beeindruckend, wenn die Lyrics von unzähligen Stimmen mitgegröhlt werden. Nach „Sunset Superman“ und „Man On The Silver Mountain“ folgte der zweite Tiefpunkt der Show: ein nicht mehr enden wollendes Gitarren / Keyboard-Solo, welches am Ende mindestens zwei Klassiker gekostet hat. Der Spruch von Ronnie James war dann Comedy in Reinkultur. Mit seufzender Stimme liess er ein „So many songs to play but so little time…“ vom Stapel. Da muss sich Sir Dio selber an der Nase nehmen und die Dudlereien ganz einfach unterbinden (falls er sie nicht selber „angeordnet“ hat). Als versöhnlichen Abschluss gab’s ein Zückerchen der besonderen Klasse. Dio darf eine Bühne schlicht und ergreifend nicht verlassen, bevor er nicht „Heaven And Hell“ gespielt hat. Was für ein Mördersong! Sein Evil -Gepose im blutroten Spot ist Metal pur und x-mal truer als alles, was Manowar je geboten haben. Bleibt zu erwähnen, dass “We Rock”, “Die Young” oder “Invisible” ohne die unnötigen Solo -Slots noch locker ins Programm gepasst hätten. Schade. Trotzdem - einmal mehr eine beeindruckende Performance des kleinen Mannes mit der riesigen Stimme, die einfach jedes Mal für eine Ganzkörper-Gänsehaut sorgt. Starker Gig mit zwei groben Schönheitsfehlern.(sd)
Twisted Sister
Veni, vidi, vici, besser kann man einen Twisted Sister Gig wohl nicht beschreiben. Dee Snider kann machen was er will, große Teile des Publikums würden wahrscheinlich seine Scheiße noch anbeten. Die Stimmung war dann natürlich auch absolut unübertrefflich und die beste des gesamten Festivals. Die Band war auch gut drauf und die Songauswahl war ok. Schließlich hatte man sich extra für diesen Gig überlegt, das komplette „Stay Hungry“- Album vom Stapel zu lassen. Alles in Butter also? Nö! Wenn man Dee Snider in den letzten Jahren fünf Mal gesehen hat, dann erwartet man einfach mehr. Stattdessen bekam man wieder einmal hundert „Sick Motherfucker“ in allen Variationen um die Ohren geballert und die Ansagen gab es allgemein schon wesentlich mitreissender. Außerdem wurde der größte Hit schon an zweiter Stelle verheizt. Es ist zwar logisch, weil „We’re not gonna take it“ auch auf dem Album an eben jener Stelle zu finden ist, aber irgendwie war die Luft danach ein bissel raus. Vor zwei Jahren war vor allem dieser Song der Baustein für einen der besten Gigs der vergangen zehn Jahre. Auch „The Price“ vermochte nicht die Magie versprühen wie damals.
Dennoch wurde die Band ohne Ende abgefeiert und unterhaltsam war auch dieser Gig. Als Zugaben gab es noch die Rolling Stones Coverversion „It’s only Rock n’ Roll, but i like it“ und natürlich „You can’t stop Rock n’ Roll“ zu hören, welcher in einem fantastischen (und wesentlich größerem als in den vergangen Jahren) Feuerwerk unterging. Ein tolles Ende für ein stürmisches Festival. In diesem Sinne: Auf die nächsten 10 Jahre.(dk)
Setlist: Stay Hungry We’re not gonna take it Burn in Hell Captain Howdy Street Justice I wanna rock The Price Don’t let me down The Beast S.M.F. It’s only Rock n’ Roll, but I like it You can’t stop Rock n’ Roll
Last, but not least, unseren Glückwunsch an Cheffe Horst Odermatt, der seiner Freundin Ines vor dem Axel Rudi Pell Gig vor tausenden von Leuten einen Heiratsantrag gemacht hat, welcher natürlich angenommen wurde. Als Trauzeugen fungierten Dee Snider und Sebeastian Bach. Sowas hat man auch nicht alle Tage. Bei den Herren daneben handelt es sich um die (neben Horst) führenden Köpfe des Heavy, nämlich Thomas Michel und Jagger. Dass der Himmel genau nach dem Antrag seine Schleusen öffnete, war (höchstwahrscheinlich) kein schlechtes Zeichen, sondern wahrscheinlich ein paar Tränen der Rührung. Alles Gute für die Zukunft!(dk)
Es schwammen, sangen, soffen und rockten:
Silvio Deppeler (sd) (Berichte) Andreas Weber (aw) (Berichte & Fotos) Daniel Korth (dk) (Berichte & Fotos) Annette Zobel (Fotos)
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